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Gastgeschenk Schweiz: Etikette & Die Besten Ideen für die Erste Einladung

  • Autorenbild: Christian Henß
    Christian Henß
  • vor 12 Minuten
  • 11 Min. Lesezeit

Wenn du das erste Mal in einen Schweizer Haushalt eingeladen wirst, geht es um mehr als nur pünktliches Erscheinen und freundliche Konversation. Die Schweizer Gastkultur verlangt ein feines Gespür für unausgesprochene Erwartungen – insbesondere, wenn es um das passende Gastgeschenk geht. Ein falsches Mitbringsel kann, selbst mit den besten Absichten, schnell als unangemessen oder unbedacht empfunden werden. Dieser Guide hilft dir, die subtilen kulturellen Codes zu verstehen und zeigt dir, wie du deine Wertschätzung durch ein durchdachtes, stilvolles Geschenk ausdrückst, das garantiert positiv in Erinnerung bleibt.



Gastgeschenke in der Schweiz: Zwischen Wertschätzung und kultureller Feinfühligkeit


Die Einladung in ein Schweizer Zuhause ist eine Ehre und ein Vertrauensbeweis zugleich. Doch die Wahl des richtigen Gastgeschenks in der Schweiz stellt viele vor eine Herausforderung: Wo liegt die Grenze zwischen aufmerksamer Geste und übertriebener Großzügigkeit? Während in manchen Kulturen pompöse Geschenke als Zeichen der Wertschätzung gelten, legen Schweizer Wert auf Qualität, Zurückhaltung und Authentizität. Ein übertrieben teures oder unpassendes Geschenk kann deine Gastgeber in eine unangenehme Lage bringen – selbst wenn du es nur gut meinst.


Wer die unausgesprochenen Regeln versteht, kann diese potenzielle Stolperfalle elegant umgehen. Es geht nicht darum, möglichst viel Geld auszugeben, sondern die richtige Balance zwischen Wertschätzung und Bescheidenheit zu finden. Durchdachte, hochwertige Geschenke, die zum Anlass und zur Beziehung passen, sind weitaus wertvoller als anonyme Luxusartikel ohne persönliche Note.


In diesem Guide erfährst du, welche Traditionen, Feinheiten und praktischen Tipps du kennen solltest, um beim nächsten Besuch den perfekten Eindruck zu hinterlassen – von der Auswahl des passenden Mitbringsels über das richtige Timing der Übergabe bis hin zur angemessenen Verpackung.


Was du in diesem Artikel erfährst:


  • Qualität vor Quantität: Warum Schweizer Gastgeber durchdachte, hochwertige Geschenke schätzen und Extravaganz eher als unangenehm empfinden

  • Wein als Gastgeschenk: Wann eine Flasche Wein angemessen ist und wann du besser auf Alternativen setzt

  • Pralinen und Süßigkeiten: Warum nur handverlesene Qualität überzeugt und wie du mit der richtigen Verpackung punktest

  • Der perfekte Moment: Wann und wie du dein Mitbringsel diskret überreichst, ohne den Abend zu stören

  • Kreative Ideen abseits der Klassiker: Personalisierte und regionale Produkte, die eine tiefere Verbindung schaffen


Die kulturellen Grundlagen: Pünktlichkeit, Respekt und Vorbereitung


Bevor wir uns den materiellen Aspekten widmen, solltest du die kulturellen Rahmenbedingungen verstehen, die das Fundament jeder gelungenen Einladung bilden. Schweizer legen großen Wert auf Präzision, Planung und Verlässlichkeit. Pünktlichkeit ist dabei kein bloßes Zeichen von Höflichkeit, sondern eine grundlegende Erwartung, die tief in der Schweizer Kultur verwurzelt ist. Wer zu spät kommt, zeigt mangelnden Respekt für die Mühe und Zeit, die dein Gastgeber in die Vorbereitung investiert hat.


Solltest du absehen können, dass du dich verspätest, informiere deinen Gastgeber rechtzeitig telefonisch. Das gibt ihm die Möglichkeit, den Zeitplan anzupassen und verhindert unnötige Unsicherheit oder Stress. Diese kleine Geste zeigt, dass du die Planung deines Gastgebers wertschätzt und respektierst.


Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Kommunikation rund um das Geschenk selbst. Anders als in manchen Kulturen, in denen das Mitbringsel bereits vor dem Besuch angekündigt wird, gilt in der Schweiz: Bring dein Geschenk dezent mit, ohne es im Vorfeld groß zu thematisieren. Die Frage „Was soll ich mitbringen?" führt unweigerlich zur zentralen Überlegung der Angemessenheit – und genau hier beginnt die eigentliche Kunst der Geschenkauswahl.


Erwartungen an das Gastgeschenk: Diskretion schlägt Extravaganz


Hier liegt der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Kulturen: In der Schweiz wird Diskretion und Qualität über Großzügigkeit und Extravaganz gestellt. Schweizer schätzen Beständigkeit, handwerkliches Können und Produkte, die ihren Preis wert sind – ohne dabei protzig zu wirken. Ein übermäßig teures Geschenk kann deinen Gastgeber in eine unangenehme Position bringen, da er sich möglicherweise verpflichtet fühlt, beim nächsten Mal eine noch größere Geste zu erwidern. Diese unausgesprochene Erwartungshaltung verlangt nach einem Geschenk, das Wertschätzung ausdrückt, ohne finanzielle Unterschiede zu betonen oder ein Ungleichgewicht zu schaffen.


Stelle dir daher immer die Frage: Ist das Geschenk authentisch und durchdacht? Ein kleines, aber hochwertiges Produkt aus deiner Heimatregion oder ein Artikel, der die Interessen deines Gastgebers widerspiegelt, ist oft wertvoller als ein teures, aber generisches Luxusgut. So zeigst du, dass du dir Gedanken gemacht hast, anstatt nur deinen finanziellen Spielraum zu demonstrieren.


Bewährte Klassiker: Was bring ich zum Essen mit, wenn ich eingeladen bin?


Wenn es um traditionelle Gastgeschenke in der Schweiz geht, gibt es einige sichere und kulturell anerkannte Optionen. Diese Klassiker funktionieren deshalb so gut, weil sie die Schweizer Esskultur ergänzen oder bereichern, ohne das sorgfältig geplante Menü deines Gastgebers zu stören.


Die Weinfrage: Respekt vor dem eigenen Weinkeller


Wein ist international ein beliebtes Gastgeschenk, erfordert in der Schweiz jedoch besondere Vorsicht und kulturelles Feingefühl. Da Wein in vielen Kantonen eine hohe kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung hat und viele Schweizer Haushalte über exzellente eigene Weinkeller verfügen, ist Zurückhaltung geboten. Die Faustregel lautet: Bring nur dann eine Flasche Wein mit, wenn du weisst, dass dein Gastgeber sie spezifisch angefordert hat, oder wenn es sich um eine sehr seltene oder spezifische lokale Spezialität handelt, die dein Gastgeber nicht leicht selbst erwerben kann.


Viele Schweizer Gastgeber wählen ihre Weine sorgfältig passend zum Menü aus. Ein mitgebrachter Wein kann diese Harmonie stören und den Gastgeber in die unangenehme Lage bringen, zwischen dem mitgebrachten und dem eigenen Wein wählen zu müssen. Ein kluger Kompromiss sind hochwertige Spirituosen – etwa ein seltener Grappa, ein exquisiter Whisky oder ein regionaler Obstbrand – die als Digestif-Option später am Abend genossen werden können, ohne das kulinarische Gesamtkonzept zu beeinträchtigen.


Wenn du dich unsicher fühlst, sind alkoholfreie Alternativen wie hochwertiger Traubensaft, ein spezieller Tee oder ein Aperitif-Set ebenfalls willkommen. Diese zeigen, dass du dir Gedanken gemacht hast, ohne ein potenzielles Fettnäpfchen zu riskieren.


Pralinen und Süßwaren: Qualität als Grundvoraussetzung


Sind Pralinen ein gutes Gastgeschenk für Schweizer? Ja, aber nur unter einer Bedingung: Sie müssen von höchster Qualität sein. Die Schweiz ist weltweit für ihre Chocolaterie bekannt, daher erwartet dein Gastgeber keine beliebigen Supermarkt-Süßigkeiten. Vermeide Massenware und setze stattdessen auf handgefertigte Pralinen von einem renommierten lokalen Chocolatier. Diese Wahl zeigt, dass du dir die Mühe gemacht hast, ein durchdachtes Geschenk auszuwählen, anstatt spontan etwas Beliebiges zu kaufen.


Achte dabei auch auf die Verpackung: Eine edle Schachtel mit wenigen, aber exquisiten Pralinen ist weitaus angemessener als eine große Packung durchschnittlicher Qualität. Die Verpackung sollte zurückhaltend elegant sein – zu viel Schnickschnack oder grelle Farben wirken unangebracht.


Wenn du internationale Alternativen suchst, können auch hochwertige Backwaren, edle Konfitüren oder spezielle Honigvariationen passend sein – vorausgesetzt, sie sind stilvoll verpackt und passen zur Jahreszeit. Achte darauf, dass das Geschenk sofort als etwas Besonderes erkennbar ist, ohne aufdringlich zu wirken.


Kreative Alternativen: Wenn Persönlichkeit und Durchdachtheit zählen


Für die zweite oder dritte Einladung oder wenn du eine besonders enge Beziehung zu deinem Gastgeber pflegst, kannst du über die klassischen Empfehlungen hinausgehen. Hier zählt die Geschichte hinter dem Geschenk und die persönliche Verbindung, die es schafft.


Lokale Spezialitäten mit einer Erzählung


Gib deinem Gastgeber etwas, das eine Geschichte erzählt und eine persönliche Verbindung schafft. Ein hochwertiges, lokal hergestelltes Olivenöl aus dem Tessin, wenn du in die Deutschschweiz eingeladen bist, oder ein ungewöhnliches Gewürzset, wenn dein Gastgeber gerne kocht, sind hervorragende Optionen. Diese Geschenke beweisen, dass du dir Gedanken über die Interessen und Vorlieben deines Gastgebers gemacht hast.


Praxisbeispiel Handwerksprodukt: Eine Familie in Zürich lud einen neuen Geschäftspartner aus dem Baugewerbe ein. Anstatt Wein oder Pralinen mitzubringen, schenkte der Gast ein speziell angefertigtes, hochwertiges Schneidebrett aus seltenem Nussbaumholz. Das Ergebnis: Der Gastgeber war begeistert von der Langlebigkeit und der außergewöhnlichen Qualität des Handwerks. Diese persönliche Geste schuf eine Vertrauensbasis, die zu informellen Geschäftsabschlüssen im Wert von CHF 50.000 innerhalb des folgenden Quartals führte – weit mehr, als ein formelles Geschenk hätte bewirken können.


Weitere durchdachte Ideen umfassen:


  • Ein Buch von einem lokalen Autor, das zu den Interessen deines Gastgebers passt

  • Ein handgefertigtes Küchenutensil aus nachhaltigen Materialien

  • Ein Set regionaler Gewürze oder Öle mit Rezeptvorschlägen

  • Ein Gutschein für ein gemeinsames Erlebnis (z.B. eine Weinverkostung oder ein Kochkurs)


Blumen und Pflanzen: Die Kunst der richtigen Auswahl


Blumen sind eine wunderbare Geste, aber auch hier gibt es kulturelle Feinheiten zu beachten. Bring idealerweise keinen riesigen Strauss mit, der deinen Gastgeber im Eingangsbereich überfordert und sofort nach einer Vase verlangt. Besser geeignet sind:


  • Eine hochwertige Topfpflanze, die langfristig Freude bereitet

  • Ein kompaktes Arrangement, das bereits in einer ansprechenden Vase arrangiert ist

  • Eine kleine Auswahl qualitativ hochwertiger Rosen oder saisonaler Blumen


Wenn du Blumen mitbringst, kommuniziere klar, dass diese für den Tisch oder als Dekoration gedacht sind, damit dein Gastgeber weiss, wie er sie am besten integrieren kann. Vermeide stark duftende Blumen wie Lilien oder Hyazinthen, da diese den Geruch des Essens überlagern können – ein absolutes No-Go in der Schweizer Gastkultur, wo das kulinarische Erlebnis im Mittelpunkt steht.


Die Auswahl des richtigen Geschenks hängt letztlich von der Beziehung und dem Anlass ab. Im Zweifel ist ein qualitativ hochwertiges, aber preislich moderates Geschenk immer die sicherste Wahl. Dies wird von Gastgebern oft als Zeichen von Selbstbewusstsein und kulturellem Verständnis gesehen, anstatt als Versuch, durch Extravaganz zu beeindrucken.


Der Moment der Übergabe: Timing, Verhalten und Verpackung


Selbst das durchdachteste Gastgeschenk kann durch falsches Timing oder nachlässige Verpackung an Wirkung verlieren. Die Übergabe sollte diskret und am Anfang des Besuchs erfolgen – niemals sollte sie zum zentralen Ereignis des Abends werden.


Der richtige Zeitpunkt für die Übergabe


Überreiche dein Mitbringsel unmittelbar nach der Begrüßung. Nimm dir einen kurzen, ruhigen Moment Zeit dafür, bevor ihr in das eigentliche Programm des Abends eintretet. Eine passende Formulierung wäre: „Vielen Dank für die Einladung – das ist eine kleine Aufmerksamkeit für euch." Halte den Moment kurz und ungezwungen, ohne große Aufmerksamkeit darauf zu lenken.


Viele Schweizer Gastgeber werden das Geschenk zunächst beiseitelegen und erst später, wenn es angebracht ist (beispielsweise nach dem Hauptgang oder beim Ausklang des Abends), öffnen. Dränge niemals darauf, dass das Geschenk sofort ausgepackt wird – dies gilt als unhöflich, da es den Fokus vom eigentlichen Zweck des Abends ablenkt: dem gemeinsamen Essen und der Gesellschaft.


Beachte auch, dass dein Gastgeber sich möglicherweise zunächst höflich weigert, das Geschenk anzunehmen („Das wäre doch nicht nötig gewesen!"). Dies ist eine kulturell verankerte Höflichkeitsfloskel. Beharr freundlich, aber nicht zu intensiv darauf, dass es dir eine Freude ist, und überlasse deinem Gastgeber dann die Entscheidung, wie er damit weiter umgeht.


Verpackung und Präsentation: Der erste Eindruck zählt


Die Verpackung unterstreicht die beabsichtigte Qualität deines Geschenks und ist ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Geste. Eine saubere, geschmackvolle Verpackung ist unerlässlich. Vermeide knisterndes Plastik, übermäßig grelle Farben oder kitschige Dekorationen. Setze stattdessen auf:


  • Hochwertiges, mattes oder strukturiertes Geschenkpapier in gedeckten Farben

  • Eine schlichte, elegante Schleife oder ein natürliches Band

  • Eine kleine, handgeschriebene Karte mit einer persönlichen Botschaft


Als Faustregel gilt, dass die Verpackung selbst bereits einen Teil des Geschenks darstellt. Wenn du dein Präsent in einem schönen Korb, einer dekorativen Holzschachtel oder einer stilvollen Dose überreichst, die wiederverwendet werden kann, erzeugst du einen doppelten positiven Eindruck. Diese Sorgfalt im Detail ist ein wichtiger Bestandteil der Etikette und ein deutliches Zeichen dafür, dass du die Einladung ernst nimmst und wertschätzt.


Vermeide hingegen:


  • Zu viel glänzendes oder metallisches Papier

  • Überdimensionierte Schleifen oder Dekorationen

  • Durchsichtige Verpackungen, die das Geschenk bereits vollständig preisgeben

  • Nachlässig geklebtes oder zerknittertes Papier


Die Mühe, die du in die Verpackung investierst, signalisiert Respekt und Wertschätzung – Eigenschaften, die in der Schweizer Kultur besonders hoch geschätzt werden.


Regionale Unterschiede: Deutschschweiz, Romandie und Tessin


Obwohl die grundlegenden Etikette-Regeln in der gesamten Schweiz gelten, gibt es subtile regionale Unterschiede, die du kennen solltest, um dein Gastgeschenk optimal abzustimmen.


Deutschschweiz: Pragmatismus und Qualitätsbewusstsein


In der deutschsprachigen Schweiz dominiert eine pragmatische, qualitätsorientierte Herangehensweise. Gastgeber schätzen praktische, langlebige Geschenke, die einen echten Nutzen haben. Handwerklich hochwertige Produkte, regionale Spezialitäten oder durchdachte kulinarische Geschenke kommen besonders gut an. Übertriebene Romantik oder rein dekorative Geschenke werden eher zurückhaltend aufgenommen.


Romandie (französischsprachige Schweiz): Eleganz und Genuss


In der Romandie spielt die ästhetische Komponente eine etwas größere Rolle. Gastgeschenke dürfen hier etwas raffinierter und kulinarisch anspruchsvoller sein. Ein exquisiter französischer Käse, eine Flasche Champagner zu einem besonderen Anlass oder ein elegantes Arrangement sind hier willkommener als in der Deutschschweiz. Dennoch gilt auch hier: Qualität und Geschmack vor Quantität und Prunk.


Tessin: Mediterrane Herzlichkeit mit Schweizer Zurückhaltung


Im italienischsprachigen Tessin verbindet sich mediterrane Gastfreundschaft mit Schweizer Zurückhaltung. Gastgeber freuen sich über kulinarische Spezialitäten, insbesondere hochwertige italienische Produkte wie Olivenöl, Balsamico oder handgemachte Pasta. Blumen werden hier etwas häufiger und großzügiger geschenkt als in anderen Landesteilen, sollten aber dennoch stilvoll und nicht übertrieben sein.


Besondere Anlässe: Wann du von den Standardregeln abweichen kannst


Während die oben genannten Richtlinien für normale Abendeinladungen gelten, gibt es Anlässe, bei denen andere Regeln greifen oder zusätzliche Geschenke angemessen sind.


Geburtstage und Jubiläen


Wenn du zu einem Geburtstag oder Jubiläum eingeladen bist, ist ein persönlicheres, eventuell auch etwas wertvolleres Geschenk angebracht. Hier darfst du von der üblichen Zurückhaltung abweichen – allerdings sollte das Geschenk immer noch zur Beziehung und zum Gastgeber passen. Ein schönes Buch, ein hochwertiges Accessoire für ein Hobby oder ein Gutschein für ein gemeinsames Erlebnis sind passende Optionen.


Einweihungspartys


Bei einer Einweihungsparty sind praktische Geschenke für das neue Zuhause besonders willkommen. Ein hochwertiges Küchenutensil, eine schöne Pflanze für den Balkon oder Garten, eine Flasche Wein „für den ersten Abend im neuen Heim" oder ein dekoratives Element, das du vorher mit dem Gastgeber abgestimmt hast, sind gute Wahlen.


Geschäftliche Einladungen


Bei geschäftlichen Einladungen in ein privates Zuhause ist besondere Vorsicht geboten. Hier solltest du dich streng an hochwertige, aber neutrale Geschenke halten. Ein exzellenter Wein aus deiner Heimatregion (falls bekannt, dass der Gastgeber Wein schätzt), eine Schachtel erstklassiger Pralinen oder ein repräsentatives Buch über deine Branche oder Region sind sichere Optionen. Vermeide alles, was zu persönlich oder zu großzügig wirken könnte.


Was du unbedingt vermeiden solltest: Die häufigsten Fehler


Genauso wichtig wie zu wissen, was ein gutes Gastgeschenk ausmacht, ist das Verständnis dafür, welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.


Zu teure Geschenke


Ein häufiger Fehler, besonders von internationalen Gästen: Das Geschenk ist zu teuer oder zu extravagant. Dies bringt deinen Gastgeber in eine unangenehme Lage und kann als Versuch interpretiert werden, Eindruck zu schinden oder eine Hierarchie zu etablieren. Die Schweizer Kultur schätzt Gleichberechtigung und Bescheidenheit – ein zu teures Geschenk verstößt gegen diese Grundwerte.


Last-Minute-Einkäufe


Ein hastig am Bahnhof oder an der Tankstelle gekauftes Geschenk sendet die Botschaft, dass du dir keine Zeit für durchdachte Auswahl genommen hast. Selbst wenn du zeitlich unter Druck stehst, investiere die extra Minuten in einen spezialisierten Laden oder Chocolatier. Die Qualität des Geschenks spiegelt die Wertschätzung wider, die du der Einladung entgegenbringst.


Unpassende alkoholische Getränke


Bringe keinen Alkohol mit, wenn du nicht sicher bist, dass dein Gastgeber Alkohol konsumiert. Gerade in religiösen oder gesundheitsbewussten Haushalten kann dies zu Peinlichkeiten führen. Im Zweifelsfall sind alkoholfreie Alternativen die bessere Wahl.


Geschenke ohne Bezug zum Gastgeber


Ein generisches Luxusprodukt ohne persönlichen Bezug wirkt unpersönlich und austauschbar. Zeige stattdessen, dass du dir Gedanken über die Interessen und Vorlieben deines Gastgebers gemacht hast. Ein kleineres, aber persönliches Geschenk ist immer wertvoller als ein teures, aber beliebiges Produkt.


Falsche Blumenwahl


Bestimmte Blumen haben in der Schweiz negative Konnotationen. Chrysanthemen werden beispielsweise mit Beerdigungen assoziiert und sollten niemals als Gastgeschenk mitgebracht werden. Auch rote Rosen können bei einer formellen Einladung unangemessen wirken, da sie romantische Gefühle signalisieren. Im Zweifel greif zu neutraleren Optionen wie saisonalen Mischblumen oder einer eleganten Topfpflanze.


Nachhaltige und umweltbewusste Geschenkoptionen


In der Schweiz spielt Nachhaltigkeit eine zunehmend wichtige Rolle – auch bei der Auswahl von Gastgeschenken. Umweltbewusste Geschenke werden nicht nur positiv aufgenommen, sondern zeigen auch, dass du moderne Werte und Verantwortungsbewusstsein teilst.


Regionale und biologische Produkte


Wähle Geschenke aus lokaler, nachhaltiger Produktion. Bio-Konfitüren aus regionalen Früchten, handgemachte Seifen aus Schweizer Manufakturen oder fair gehandelter Kaffee aus lokalen Röstereien sind ausgezeichnete Optionen. Diese Geschenke unterstützen lokale Produzenten und zeigen dein Bewusstsein für Qualität und Nachhaltigkeit.


Zero-Waste-Verpackungen


Verzichte auf übermäßige Verpackungen und setze auf wiederverwendbare Materialien. Ein Geschenk in einem schönen Stoffbeutel, einer Holzbox oder einem Weidenkorb, den dein Gastgeber weiternutzen kann, kommt gut an und unterstreicht dein Umweltbewusstsein.


Erlebnisgutscheine statt materieller Geschenke


Für enge Freunde oder bei wiederholten Einladungen können Gutscheine für gemeinsame Erlebnisse eine wunderbare Alternative zu materiellen Geschenken sein. Ein Gutschein für eine Weinverkostung in einem lokalen Weingut, Tickets für ein kulturelles Event oder ein gemeinsamer Kochkurs schaffen Erinnerungen und vertiefen eure Beziehung.


Die langfristige Perspektive: Beziehungsaufbau durch durchdachte Gesten


Das perfekte Gastgeschenk ist mehr als eine einmalige Geste – es ist der Beginn oder die Vertiefung einer Beziehung. Wenn du die kulturellen Codes verstehst und deine Geschenke durchdacht auswählst, legst du den Grundstein für zukünftige Einladungen und eine vertrauensvolle Verbindung.


Nach deinem Besuch empfiehlt es sich, eine handgeschriebene Dankeskarte zu senden – eine in der Schweiz nach wie vor sehr geschätzte Tradition. Diese kleine Geste unterstreicht deine Wertschätzung für die Einladung und die Zeit, die dein Gastgeber investiert hat. In der digitalen Welt wirkt eine handgeschriebene Karte besonders persönlich und zeigt, dass du dir Zeit genommen hast.


Beobachte bei zukünftigen Treffen, wie dein Geschenk aufgenommen wurde. Erwähnt dein Gastgeber es positiv oder nutzt er es sichtbar? Dies gibt dir wertvolle Hinweise für künftige Gelegenheiten und hilft dir, deine Auswahl weiter zu verfeinern.


In der Schweizer Gastkultur geht es letztlich um Respekt, Wertschätzung und die Pflege langfristiger Beziehungen. Qualität, Durchdachtheit und kulturelle Sensibilität sind die Schlüssel zu einem gelungenen Gastgeschenk, das in positiver Erinnerung bleibt und den Grundstein für eine dauerhafte, positive Verbindung legt. Wer diese Nuancen beherzigt und die Balance zwischen Wertschätzung und Bescheidenheit findet, wird nicht nur als höflicher Gast, sondern als kulturell bewusster und respektvoller Mensch wahrgenommen – eine Eigenschaft, die in der Schweiz besonders geschätzt wird und Türen für zukünftige Begegnungen öffnet.


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